Das Kyugradsystem und seine Farben

Jeder Karateka trägt ihn, manchmal ist er bestickt und je dunkler die Farbe wird, desto weiter ist man schon auf seinen Karatedo gegangen. Die Rede ist vom Obi (帯 – Gürtel). Wie der Titel schon verrät, werde ich ausschließlich auf das Kyu (級 – Klasse, Stufe; wird ebenfalls für Schulklasse verwendet) System eingehen.

Doch woher genau stammt die Einteilung in die neun Kyu Grade?
Wieso werden diese überhaupt rückwärts gezählt?
Und woher kommt ausgerechnet diese Wahl der Farben?

Die aller meisten Karate Übenden, neigen noch immer dazu alles und jedes Meister Gichin Funakoshi (1868-1957) zuzuschreiben. Das liegt sicherlich zum Einen daran, dass die Stilrichtung Shotokan, die dieser gegründet hat, weltweit die meisten Mitglieder hat. Zum Anderen, das der Mann wirklich eine ganze Menge auf den Weg gebracht hat. Nur in diesem Fall hat er das Kyugradsystem lediglich von jemand anderem übernommen um es in sein Karate zu integrieren.
Dieser Jemand war Meister Jigoro Kano (1860-1938). Der Begründer des Judo.

Foto von Kano
Jigoro Kano; gemeinfrei

Diese überaus bedeutende Persönlichkeit spielt eine große Rolle in der Geschichte von Japan, den Kampfkünsten im allgemeinen und dem Sport an sich. Er wird uns bestimmt noch häufiger begegnen. Kano wurde schon 1916 in Kyoto auf Funakoshi aufmerksam, als dieser zum ersten Mal den Japanern eine Demonstration seiner Kampfkunst gab. Kaum wieder auf Okinawa angekommen, nahm Kano sofort Kontakt zu ihm auf. Funakoshi möge ihm die Prinzipien seiner Kampfkunst erläutern. Zeit seines Lebens wurde er nicht müde sein Judo immer weiter zu verbessern und zu ergänzen. Doch zu seinem großen Bedauern lehnte Funakoshi höflich ab. Ein paar Jahre später, 1922 in Tokio, sprach er den Karate Meister schließlich persönlich an. Dieses mal willigte Funakoshi ein und gab einige Zeit Unterricht im berühmten Kodokan; während er Kano sogar mehrere Monate Privatunterricht gab.
(Henning Wittwer, Werner Lind, Gichin Funakoshi; siehe Verzeichnis Bibliografie)
Das Kodokan ist bis heute die älteste und bedeutendste Judo-Schule der Welt. Seit dieser Zeit waren die Beiden gute Bekannte. Manche Quellen sprechen sogar von einer Freundschaft. Dies ist sicherlich stark übertrieben. Warum erfahren wir später noch. Wer letztlich von wem mehr lernen konnte ist schwer zu sagen und ohne auf die beiden Lebensläufe dieser sehr unterschiedlichen Männer weiter ein zu gehen, respektierten Sie sich gegenseitig bis zum Ende. Funakoshi stand damals jedenfalls noch ganz am Anfang seiner Ziele und hatte seine Berufliche Karriere so wie sein Privatleben längst zu Gunsten des Karate aufgegeben. Kano dagegen hatte gesellschaftlich, politisch und in Sachen Budo praktisch schon alles erreicht.

Schauen wir uns nun genauer an, was für ein Kyugradsystem Kano schuf.

Die Anfänge liegen in einer Epoche die eine große Rolle für jeden spielt, der sich ernsthaft mit den japanischen Kampfkünsten beschäftigt. Die Meiji – Zeit (明治時代) von 1868 bis 1912. Sie definiert die Regentschaft des 122. Kaisers mit Namen Mutsuhito (睦仁). Wobei Meiji das Motto seiner Regentschaft war (wörtlich:“aufgeklärte Herrschaft“). Man muss dazu wissen, japanische Geschichte orientiert sich an den innerpolitischen Entwicklungen und deren Herrscherhäusern. Sie stimmen nicht notwendigerweise mit westlichen Einteilungen überein. Japan lebt derzeit in der Heisei – Zeit (平成), von 1990 – 20xx; mit dem amtierenden Kaiser Akihito (明仁). Sein Motto bedeutet wörtlich:“ Frieden überall“. Besonders wichtig und interessant für die Forschungen eines jeden Kampfkünstler ist außerdem der Geschichtliche Abschnitt vor der Meiji – Zeit. Die Edo oder auch Tokugawa – Zeit (江戸時代) von 1603 bis 1868. Edo war die damalige Hauptstadt (heute Tokio) und die Tokugawa herrschten mit ihrem Clan als Shogune über ganz Japan.

Ab 1883 formte und standardisierte Kano sein Judo. Heraus kam dabei ein Rangsystem, welches er erst 1923 zum Abschluss brachte und das letzte Mal veränderte. Am Anfang unterschieden sich seine Schüler zwischen Mudansha (無段者 – Person ohne Rang) und Yudansha (有段者 – Person mit Rang).
Die Kodansha wurden zunächst in fünf Dangrade aufgeteilt, bevor sie einige Jahre später noch ein mal verdoppelt wurden. Diese wurden aufsteigend durchnummeriert. (1. Dan, 2. Dan, 3. Dan, usw.).
Die Mudansha waren erst in drei Gruppen unterteilt. Ko, Otsu, Hei (甲, 乙, 丙 – A,B,C). Mit zunehmender Anzahl von Schülern (1901 sind es bereits nahezu 6000) erhöhte sich die Unterteilung erst auf sechs später noch einmal auf neun. Das Kyugradsystem war entstanden. Diesmal allerdings absteigend nummeriert. (9. Kyu, 8. Kyu, 7. Kyu, usw.) Warum das so ist erfahren wir etwas später.
(Werner Lind, Andreas Niehaus, Jigoro Kano; siehe Verzeichnis Bibliografie)

Die Standardisierung war dabei sehr wichtig. 1895 wurde nämlich die Dai Nippon Butoku Kai – DNBK (大日本武徳会 – Groß japanische Organisation für Kriegstugenden) gegründet. Diese staatliche Einrichtung war von Anfang an sämtlichen japanischen Kampfsystemen übergeordnet und bildete eine Art Dachverband. Wer sich ihr nicht fügte, wurde praktisch aus der Gesellschaft ausgeschlossen. Die Ziele der DNBK waren unter anderem die Förderung und der Erhalt der Budo Tugenden; wie Hingabe, Respekt und Ehre. Tatsächlich testete sie aber auch die Kampfkraft und praktikable Verwendung der einzelnen Stile für das Militär. Im einzelnen bedeutete dies neben der Katalogisierung und Standardisierung vor allem Kontrolle. Wettkampfregeln und Ausbildungsordnungen wurden aufgestellt. Einheitliche Uniformen und Ränge eingeführt (Renshi, Kyoshi, etc.). Zahlreiche Bildungseinrichtungen sowie Ausbildungsstätte für die verschiedenen Kampfkünste wurden gebaut. Große sportliche Feste und aufwendig geplante Demonstrationen japanischer Kampfkünste fanden statt. Innerhalb kürzester Zeit wuchs die DNBK zu einer der wichtigsten Organisation heran und Kano war einer ihrer mächtigsten Funktionäre. Dieser Umstand wird immer zwischen Funakoshi und dem großen Meister der vollständigen Judo Kunst stehen. Denn Funakoshi war, seit seiner Ankunft in Tokio bis zu seinem Tod, immer darauf bedacht seine Vorstellung von Karate durch zu setzen. Er versuchte dabei immer unabhängig zu bleiben und ging trotz mancherlei Kompromisse immer seinen eigenen Weg. Statt sich einzugliedern, wurde er Leiter von insgesamt sechs Vereinen, Klubs und Arbeitsgemeinschaften (Zeitraum 1924 – 1940) der Universitäten von Tokio. 1930 gründete er sogar seinen eigenen Verband. Den „Dai-Nihon Karate-Do Kenkyukai“ die Großjapannische Arbeitsgemeinschaft für den Weg der chinesischen Hand. (Werner Lind, Addy Melzer; siehe Verzeichnis Bibliografie).

Einer echten Freundschaft der beiden stand noch eine andere Sache im Wege. Entweder wollte oder konnte Funakoshi, dem Judo Meister nicht alle tiefer gehenden Prinzipien seines Karate erklären. Tatsache ist jedenfalls, dass Kano daraufhin 1927 selber nach Okinawa reiste; um seine Karate Studien fort zu setzen. (Mabuni Kenwa und insbesondere Miyagi Chojun unterrichteten in dort).
Doch hat nun wirklich Kano das Kyugradsystem erfunden? Nein. Er hat es wiederum auch nur von einer anderen großen Persönlichkeit, dieses mal der deutschen Geschichte, übernommen.

Foto von W.Humboldt
Wilhelm von Humboldt; gemeinfrei

Nun ist die Rede von niemand anderen als Wilhelm von Humboldt (1767-1835). Der große Gelehrte, Staatsmann und Bildungsreformer. Bruder des noch berühmteren Naturforschers Alexander von Humboldt (1769-1859). Im Zuge der „Preußischen Reformen“ des frühen 19. Jahrhunderts wurde W. Humboldt zum Leiter der „Sektion des Kultus und des öffentlichen Unterrichts“ berufen. Er entwickelte in den folgenden Jahren verschiedene Modelle zur neu Gestaltung des Bildungswesens in Preußen. Nicht alle wurden realisiert und erst 1837 entstanden die ersten neunjährigen Gymnasien. In Übereinstimmung mit W. Humboldts „Litauischen-,“ und „Königsbergerschulplänen“ (von 1809) gab es von nun an die Klassenstufen:

Heutige Bezeichnung:         Alte Bezeichnung:         zu Deutsch:
5. Klasse                                          Sexta                                     6
6. Klasse                                          Quinta                                  5
7. Klasse                                          Quarta                                  4
8. Klasse                                          Untertertia                       U 3
9. Klasse                                          Obertertia                         O 3
10. Klasse                                        Untersekunda                  U 2
11. Klasse                                         Obersekunda                    O 2
12. Klasse                                        Unterprima                       U 1
13. Klasse                                        Oberprima                         O 1

Albrecht Pflüger, ein Pädagoge und einer der deutschen Karate-Pioniere, sagte in diesem Zusammenhang einmal:
„Das Gürtelsystem in den Budo Künsten ist ein pädagogischer Knüller. Würde es dies nicht schon geben, müsste man es glatt erfinden.“

Das Kano für seine neunstufige Kyugrad – Gliederung das preußische Schulsystem als Vorbild nahm, war natürlich kein Zufall. Er handelte vielmehr ganz in Sinne und Geiste der Meiji – Zeit. (Zwischen 1889 und 1891 reist er sogar selbst, im Auftrag seiner Regierung, nach Europa um speziell das Bildungssystem inklusive Leibeserziehung zu studieren).
Nach beinahe zweihundertfünfzig jähriger selbst gewählter Isolation (Edo – Zeit) und deren erzwungenen Beendigung katapultierte sich Japan mit aller Macht in das Industriezeitalter. Diese erfolgreiche Transformation (Japan ist bereits 1895 die dominante Macht in ganz Ostasien und gleich auf mit Länder wie Deutschland, Frankreich oder den USA) ist bisher absolut einmalig in der Weltgeschichte. Nie gab es ein Land mit einer bestehenden Hochkultur, welches sich so radikal und in solch extrem kurzer Zeit verändert hat. Wer glaubt dies geschah unüberlegt und beliebig der irrt. 1871 startet die berühmte Iwakura – Mission (倉使節団 – Iwakura shisetsudan) mit einer Reihe von hochrangigen japanischen Politikern und Gelehrten, sowie ausgewählten Studenten. Die achtundvierzig köpfige Delegation kehrt erst 1873 von ihrer Reise durch Europa und Nordamerika zurück. Ziel dieser Reise war die Erkundung der jeweiligen Staatsform, Politik, Gesellschaft, Wirtschaft und Technologie. Für die Bereiche Medizin, Militär, Bildung und Politik (Verfassung) wurden nahezu alle in Deutschland vorhandenen Methoden, Praktiken und Richtlinien importiert. Umgekehrt kamen nun viele hundert Spezialisten,Fachleute und Experten nach Japan; um bei der Installation und dem Aufbau der jeweiligen Teilgebiete zu helfen.

Unter anderem auch Koryphäen wie der deutsche Medizinprofessor Erwin Bälz (1849-1913).

Foto von Bälz
Erwin Baelz; gemeinfrei

Beinahe dreißig Jahre hielt Bälz sich in Japan auf. Neben seiner medizinischen Forschung, war er auch ein bedeutender Anthropologe und Ethnologe. Noch heute gilt er als Mitbegründer der modernen Medizin in Japan und war sogar lange Zeit Leibarzt des japanischen Kaiserhauses. Dieser ungewöhnliche und vielseitige Mann zeigte schnell ein großes Interesse an den alten Kriegskünsten. Er nahm Unterricht in Kyu-Jutsu (弓術 – Bogenschießkunst), Ken-Jutsu (剣術 – Säbelfechtkunst) und insbesondere Jiu-Jutsu (柔術 – waffenlose Kampfkunst). Immer wieder setzte er sich stark für den Erhalt und die Weiterführung, unter Sportlichen Aspekten, der Kriegskünste ein. Ganz im Sinne:“Die tödlichen Kriegstechniken zum Do (道 – Weg) zum Lebensweg zu wandeln“. Als Freund und Mentor ermutigte er Kano sein Judo zu erschaffen und unterstütze ihm immer wieder mit Publikationen, Berichten und Vorträgen, bis Judo schließlich 1911 Pflichtfach an allen japanischen Schulen wurde. Diese Bewegung, japanische Kampfkunst als Körperertüchtigung, kam dann auch schließlich  Itosu Anko zu Gute. Er konnte sogar ein paar Jahre früher sein Karate in den Schulsport auf Okinawa integrieren. Bälz kann also als wichtiger Wegbereiter des Budo angesehen werden.
Damit ist unsere erste Frage auch schon beantwortet.

Die zweite ist dabei ungleich einfacher und schneller geklärt.
W. Humboldt sah, in seinem dreistufigen Bildungssystem, die Elementarschule (Grundschule) und das anschließenden Gymnasium nur als Vorbereitung auf das Primäre, das Zentrale; nämlich das Studium. Demzufolge werden die einzelnen Abschnitte (ähnlich einem Countdown) rückwärts gezählt. Genau so tat es auch Kano entsprechend mit den Kyugraden. Als Vorbereitung auf den Dan; welches den Anfang vom Studium der Kampfkünste darstellt.

In der letzten Frage geht es nun um die Farben. Im Kodokan waren diese nicht üblich und wurden erst später schrittweise eingeführt. Im Jahre 1923 gab es z.B. folgende Einteilung:

Anfänger     – Blau (wörtlich „wasserblau“)
5./4. Kyu      – weiß
3./2./1.Kyu   – braun (Kinder violett)

Diese Einteilung galt, dank der DNBK, weitestgehend natürlich auch für alle anderen Budo Kampfkünste. Daran änderte sich bis Ende der 60´Jahre nicht viel, und auf Okinawa sind bis heute Farbgurte eher unüblich. Die Zuordnung der Farben wie wir sie heute kennen verdanken wir aber letztendlich jemanden, der das Budo maßgeblich in Europa geprägt hat. Gunji Koizumi (1885-1965). In London eröffnete dieser 1918, als Experte für Ju-Jutsu und Ken-Jutsu, das Budokwai-Dojo (武道会 – The Way of Knighthood Society).

Foto von Koizumi
Gunji Koizumi; gemeinfrei

Diese berühmte Trainingsstätte für japanische Kriegskünste, indem später auch Keinosuke Enoeda (1935-2003) Karate unterrichten sollte, gilt als das ältestes Dojo in Europa. Kano selbst besuchte das Dojo im Jahre 1920 als er auf dem Weg nach Antwerpen wegen der Olympischen Spiele war (Kano wurde 1909 Mitglied des IOC und besuchte seither so gut wie jede jährlich stattfindende Hauptversammlung, sowie die Spiele 1912-Stockholm, 1928-Amsterdam, 1932-Los Angeles und 1936-Berlin). Er überzeugte Koizumi seinem Kodokan beizutreten und verlieh ihm gleichzeitig den 2.Dan. Es war zu dieser zeit üblich, dass viele Ju-Jutsu Lehrer ihre Lehre als Judo bezeichneten. (Kano vergab an viele Ju-Jutsu Meister schwarze Gürtel im Judo, um sie damit dem Kodokan zu verpflichten). Koizumi ordnete ab 1927 allen Kyugraden eine bestimmte Farbe zu und visualisierte damit erstmals jeden Rang für die ungeduldigen und Status orientierten Europäer. Es waren die Farben: Weiß (6.Kyu), Gelb (5.Kyu), Orange (4.Kyu), Grün (3.Kyu), Blau (2.Kyu) und Braun (1.Kyu). Über die Herkunft bzw. Bedeutung der Farben kann man nur spekulieren, da sich Koizumi leider 1965 selbst das Leben nahm, ohne eine Antwort dafür zu hinterlassen.
Allerdings habe ich hierzu zwei Theorien entwickelt, die mir sehr plausibel erscheinen.

Erstens:
Koizumi orientierte sich an seinen Lehrer Kano und griff die Idee, den Zusammenhang mit dem deutschen Schulsystems wieder auf. Von etwa 1870 an, war dort das Tragen einer Schulmütze Pflicht geworden. An allen Gymnasien gab es, bei jeder Versetzung, eine neue Mützenfarbe. Sitzenbleiber wurden also gleich erkannt, Streiche spielen und rüpelhaftes Benehmen gleichzeitig erschwert. Jedermann konnte sofort zuordnen, auf welche Schule und in welcher Klasse der jeweilige Schüler ging. Bei der Umsetzung und Gestaltung gab es nämlich große Unterschiede, die von Region zu Region und von Schule zu Schule stark abwichen.

Foto von Schulmützen
Schulmützen aus dem 19.Jahrhundert; gemeinfrei

Die Schulmütze selbst war eine Anlehnung an die bereits existierende Studentenmütze, mit deren Verbindungen und Burschenschaften. Sie sollte somit ebenfalls das Zugehörigkeitsgefühl stärken und war natürlich auch eine Art Statussymbol.

Zweites:
Da Kano dafür bekannt war alte Samurai Traditionen wieder zu beleben, wie z.B. das Kagami Biraki (鏡開き;“öffnen des Spiegels“) oder das Kangeiko (寒稽古 – frühmorgendliches oder nächtliches Training während der kältesten Zeit des Jahres), könnte Koizumi auch wieder auf die alten Samurai zurück gekommen sein. Ab dem sechzehnten Jahrhundert trugen diese nämlich einen neuartigen Rüstungstyp, der Toseigusoku (当世具足 – moderne Rüstung) genant wurde.

Die einzelnen Rüstungs-Teile waren dabei nur durch Schnüre miteinander verbunden, welche bei jeder Bewegung ein übereinander schieben möglich machten. Nur für eine Rüstung wurde mit unter dreihundert Meter Schnur verwendet.
Die Rüstungs-, Schnüre bzw. Bänder wurden sehr fest geflochten und zusätzlich gewässert, was sie noch widerstandsfähiger machte. Die Farben der Schnüre waren von großer Bedeutung. Sie gaben Auskunft über die Clan-Zugehörigkeit, hatten aber zudem eine eigene Symbolik.
Weiß stand z.B. für die Sonne, Hellgelb für den Mond und Orange für das Feuer.
Die Farbe Violett war ausschließlich dem kaiserlichen Adel vorbehalten und durfte nicht von einfachen Samurai getragen werden.

Der Clan der „Shimazu“ trug grün, die „Tachibana“ – gelb. Die Mitglieder der „Taira“ rot und die „Minamoto“ hatten überwiegend blaue Farbe auf ihren Rüstungen.
Aber vielleicht hatte Koizumi ja etwas ganz anderes im Sinn, als er seine Farbwahl traf.

Foto eines Regenbogens
Regenbogen im Planten un Blomen; © by Gunnar Zemke

Fazit:

Ohne uns Deutsche, hier im speziellen die Herren Bälz und Humboldt, gäbe es Karate überhaupt nicht mehr. Sehr wahrscheinlich wäre es nie über die Grenzen Okinawas hinaus gekommen und gleich nach den neuen Anfängen zur Bedeutungslosigkeit verkommen. Aber erkläre das mal einem japanischen Meister…

ki o tsukete kudasai (気をつけて下さい)

2 Gedanken zu “Das Kyugradsystem und seine Farben

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