Shigema Oba – Ein Japaner erfindet ein bekanntes, deutsches Wort

Im deutschen Sprachgebrauch gibt es eine Menge Fremdwörter (Sprachwissenschaftlich „Lehnwörter“ genannt). Die meisten sind Anglizismen, also der englischen Sprache entliehen. Es gibt aber auch erstaunlich viele japanische Wörter die wir im Deutschen übernommen haben. Umgekehrt gibt es das übrigens auch, aber das ein Japaner ein bekanntes, deutsches Wort erfindet?

Zunächst muss man wissen, das sich das Ganze bereits 1908 abgespielt hat. In einem anderen Artikel bin ich bereits ein wenig auf die Besonderheit dieser Epoche (die Meiji – Zeit / 1868 bis 1912) eingegangen. Zu diese Zeit war Deutschland jedenfalls ein Wallfahrtsort für japanische Militärs, Juristen, Mediziner und Verwaltungsfachleute. Shigema Oba (1869-1920) war einer von ihnen.

Foto von Oba
Shigema Oba; gemeinfrei

1891 legte er, nach einem Studium in Tokio, sein Examen als Rechtsanwalt ab. Elf Jahre später war er bereits Staatsanwalt. Dies hinderte ihn 1905 jedoch nicht daran, noch einmal Rechtswissenschaften für drei Jahre zu studieren. Dieses mal allerdings in München. Er wurde Schüler von niemand anderem als Karl von Birkmeyer (1847-1920); einer der größten Rechtsgelehrten seiner Zeit. Sein Auslandsstudium in Deutschland krönte Oba am Ende schließlich durch eine Dissertation selbst. Bereits von Deutschland aus, schickte Oba Aufsätze seines Professors Birkmeyer sowie des Rechtswissenschaftlers Franz von Liszt (1851-1919) übersetzt nach Japan und publizierte sie dort in lokalen Zeitschriften. Überhaupt war Oba ein sehr fleißiger Mann. Kurz nach seiner Rückkehr übersetzte er nicht nur das „Strafgesetzbuch für das Kaiserliche Japanische Reich“, sondern schrieb selbst ein Jahr danach sein eigenes Buch „Unverbesserliche Verbrecher und ihre Behandlung“. Es wundert daher nicht, dass er wenige Jahre später Richter am obersten Gerichtshof in Tokio wurde und schließlich 1915 Abgeordneter des Unterhauses.
Doch für uns Deutsche prägte er ein Wort, welches eigentlich aus keiner Statistik mehr weg zu denken ist und öfter durch die Medien geht:
„Dunkelziffer“
Fachleute sprechen lieber vom Dunkelfeld. Basierend auf der Erhebung empirischer Daten, durch repräsentative Befragungen, kann man in gewissem Rahmen die Dunkelziffer schätzen und das Dunkelfeld aufhellen. Eine exakte Berechnung ist jedoch niemals möglich. Die Dunkelziffer ist also immer ein Teilgebiet der Kriminologie oder der Sozialforschung. Sie findet aber unter anderem auch bei Straßenverkehrsunfällen Verwendung. Oba verwendete das Wort jedenfalls als Erster bei der Übersetzung des englischen Ausdrucks „dark number“ (Dunkelzahl) in seiner deutschen Dissertation, im Jahr 1908.
Dieses und die vielen Eingangs erwähnten Lehnwörter entstanden demnach alle mehr oder weniger um die Jahrhundertwende des ausgehenden 19. Jahrhunderts; wo der Austausch deutscher und japanischer Kultur einfach am größten war. Gute Beispiele für die Japanische Wörter im Deutschen sind:

Kamikaze    神風 wörtlich: göttlicher Wind
Koi                錦鯉 wörtlich: bunter Karpfen
Ninja            忍者 wörtlich: geduldige, beharrliche Person
Sake                 酒 wörtlich: Alkohol
Tofu              豆腐 wörtlich: Sojabohnenquark
Zen                   禅 wörtlich: Meditation

Wir verwenden diese, und noch weit mehr, wie selbstverständlich in unserem Sprachgebrauch. Manchmal ist uns die genaue Übersetzung nicht ganz klar. Interessant wird es aber erst, wenn man Kanji (漢字 – Logogramme aus alter, chinesischer Schrift entstammend) auf seiner Kleidung trägt oder Sie sich gar tätowieren lässt. Gleiches gilt natürlich umgekehrt (bis vor kurzem noch ein großer Trend in China, Südkorea und Japan).
Tatsächlich findet man öfter folgende deutsche Wörter (Germanismen) in Japan:

Baumkuchen   バウムクーヘン    (baumukūhen)
Kirschwasser   キルシュワッサー (kirushuwassâ)
Hütte                  ヒュッテ               (hyutte)
Anseilen           アンザイレン        (anzairen)
Operation        オペラチオン        (operachion)
Karies                カリエス               (kariesu)

Foto von Japanerin
Japanerin mit, in deutsch, bedrucktem T-Shirt; gemeinfrei

Vor dem geschichtlichem Hintergrund (s.H. Meiji – Zeit) sind es verstärkt Wörter aus den Gebieten der Medizin, der Philosophie und des Bergsports. Insbesondere den Baumkuchen gibt es in Japan überall und mit jedem möglichen Geschmack zu finden; sogar Grüner Tee Geschmack etc.

Fazit:

Auch Japaner wissen was  oishii (美味しい; lecker) ist.
Und um es mit den Worten von Johann Wolfgang von Goethe
(1749-1832,deutscher Dichter, Naturwissenschaftler und Staatsmann) zu sagen.
Zitat:

„Wer fremde Sprachen nicht kennt, weiß nichts von seiner eigenen“.

ki o tsukete kudasai (気をつけて下さい)