Des Meisters neuer Name

Foto von Büchern

Ein bekannter Meister der Kampfkünste, dessen Konterfei in vielen Karate Dojo hängt, hieß überhaupt nicht Funakoshi. Tatsächlich wurde er unter einen ganz anderen Namen geboren; unter dem man ihn den Großteil seines Lebens kannte. Über fünfzig Jahre lebte er mit diesem, bis er schließlich selbst seinen Namen änderte.
Funakoshi Gichin wurde 10.10.1868 als Tominakoshi Gichin (富名腰義珍) geboren. Er selbst gab sein Geburtsjahr später einmal mit 1870 an. So war es ihm möglich an der Zulassungsprüfung für die medizinische Fakultät in Tokyo teilzunehmen; die zu dieser Zeit auf Geburtsjahrgänge ab 1870 beschränkt war. Funakoshi´s größter Wunsch war es, Medizin zu studieren.
Außer diesem Okinawa Namen hatte er, wie es damals auf den Ryukyu Inseln gebräuchlich war, auch einen chinesischen – Yung I-Jen. Was übersetzt so viel wie „Der, der mit der rechten Menschlichkeit auftritt“ bedeutet.
Sein Kindername war Umikami (geliebte Schildkröte). Vor der Meiji-Restauration war es bei Samurai -, und Adelsfamilien üblich, einen Kindheitsnamen (幼名- yomyo) zu vergeben. Diesen bekamen allerdings nur Jungen. Er wurde später, mit erreichen des Erwachsenwerdens, im Alter von fünfzehn abgelegt.
Erst viel später, Ende der 1920er Jahre, änderte der Meister seinen Namen in Funakoshi Gichin (船越義珍). Die neuen Kanji spielen, mit ihrer Bedeutung, auf seinen Wohnwechsel von Okinawa zum Festland an. Auch wenn Japan selbst aus vielen Inseln besteht bezeichnen Bewohner aus entfernten Präfekturen, wenn sie zur Hauptinsel reisen, diese als Festland. Funa  船 bedeutet „Boot“ und Koshi 越 bedeutet so viel wie „hinübergehen“ oder auch „den Wohnsitz wechseln“.
(Henning Wittwer, Sascha Wagener; siehe Verzeichnis Bibliografie)

Funakoshi war aber nicht der einzige Mann aus Okinawa, der seinen Familiennamen änderte. Zwei bekanntere Persönlichkeiten waren z.B.: Meister Oyadomari Kanken (親泊寛賢) der sich später Toyama Kanken (遠山寬賢) nannte und Meister Chinen Gochoku (知念强直) der später Chitose Tsuyoshi (千歳强直) hieß. Auch ein gewisser Yong-I Choi aus Korea wurde erst mit seinem  neuen Namen Masutatsu Oyama weltweit bekannt. Er zog im Alter von fünfzehn Jahren nach Japan, wo er die „Kaiserlich Japanischen Heeresluftstreitkräfte“ besuchte um Pilot zu werden. Damals war es für koreanische Immigranten üblich einen japanischen Namen anzunehmen, um von der japanischen Gesellschaft besser bzw. überhaupt akzeptiert zu werden. Im Grunde genommen wurden zu dieser Zeit in Japan alle anderen Asiatischen Völker, ähnlich wie in Nazi-Deutschland, stark diskriminiert. Dementsprechend galt Okinawa als rückständige Insel und dessen Bewohner als Menschen zweiter Klasse.

Foto von vier Meistern
v.l.n.r.: Nakasone Genwa, Chitose Tsuyoshi, Funakoshi Gichin und Konishi Yasuhiro (Ende der 1920er Jahre), gemeinfrei

ki o tsukete kudasai (気をつけて下さい)

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