Der Dojo-Knigge (Teil 2)

Die Dojo – Etikette geht auf die Ogasawara – Ryu (小笠原流 – Schule des Ogasawara-Klan) im Japan des 13. und 14. Jahrhunderts zurück. Dieser Samurai-Klan aus der Verwandtschaftslinie der Takeda, wurde von seinem Shogun damit beauftragt, eine Etikette für das Verhalten bei Gericht zu entwickeln.

Die schon bestehende Schule beschäftigte sich bis dato vorwiegend mit Bogenschießen, militärische Reitkunst und dem Bogenschießen vom Pferd aus. Nun entwickelte Sie über drei Generationen Formen der Etikette, Höflichkeit und des allgemeinen Verhaltens der Samurai untereinander. Sie war während der gesamten Edo oder auch Tokugawa – Zeit (江戸時代) 1603 – 1868 Gesetz. Die Schule existiert übrigens heute noch und ist die

Logo der Ogasawara Schule
Logo der Ogasawar-Schule

einzige japanische Schule, die strikt die alte Etikette des Bushido beachtet. Dazu gehört ein angepasstes Verhalten in den Zeremonien und im Alltag der Schüler, wie z.B. Heirat, Austausch von Geschenken, Huldigung dem Kaiser gegenüber bis hin zum korrektem Öffnen einer Tür. Zur Zeiten der Samurai waren all diese festgelegten Regeln enorm wichtig. Jede Bewegung, die Art des Tragens oder die Form der Aufbewahrung der Klingen waren streng reglementiert. Der Grundgedanke eines jeden Kriegers galt der ständigen Bereitschaft. Ob im eigenen Haus, auf der Straße oder beim Essen, immer bestand die Gefahr eines gewaltsamen Konfliktes. Das spiegelt sich schon in der alten Sitzform oder der Art des Abkniens wieder. Beim Absetzen ging zuerst das linke und danach das rechte Knie zu Boden. Da die meisten Menschen Rechtshänder waren und sind, trugen die Samurai ihre Schwerter auf der linken Seite, um einen schnellen Griff und den damit verbundenen Einsatz der Waffe zu gewährleisten. So wird es daher auch heute noch, selbst in den Waffenlosen Kampfkünsten, praktiziert.

Da wir nun etwas mehr über den historischen Hintergrund, sowie den klassischem Aufbau eines Dojo erfahren haben, kommen wir jetzt zur eigentlichen Etikette in einem Dojo.

Die Verbeugung (礼 Rei) spielt hier eine sehr große Rolle. Rei hat dabei vielfältige Zusammenhänge und einen weitaus größeren Sinn; als einfach nur das Verb verbeugen. Es wird ebenso mit Begrüßung, Dankbarkeit und Höflichkeit übersetzt. Die Bedeutung Geschenk oder Etikette stehen auch für das selbe Wort. Daraus ergibt sich eine Vielzahl von Verbeugungen die sich in Gebrauch und Ausführung zum Teil stark unterscheiden. Um es gleich vorweg zu nehmen; für westliche Menschen ist es nahezu unmöglich die völlig fremden und zum Teil sehr komplizierteren Regeln in ihrer Gesamtheit zu beherrschen. Selbst Japanologen und erfahrene Japanreisende müssen auf den Gaijin-Bonus (外人
– Außenstehender; Fremder; Person, der man ansieht, dass sie Ausländer ist) hoffen. Es wird auch nur wenige Japaner geben, die alle Arten der Verbeugung kennen und diese exakt definieren können. Es sind alltägliche Verhaltensweisen, die man dort von Kindesbeinen an durch Nachahmung übernimmt.
Grundsätzlich gibt es die Verbeugung im Sitzen (座礼 – Za-Rei) und die Verbeugung im stehen (立礼 – Ritsu-Rei). Das Ritsu-Rei wird korrekt folgendermaßen ausgeführt:

Man steht gerade, beugt dann nur den Oberkörper vor, ohne dass der Hintern nach hinten ausgestreckt wird. Die Hände sind locker und entspannt. Frauen mit den Händen vor dem Schoß, Männer mit den Händen an der Hosennaht. Ganz wesentlich bei der Verbeugung ist die Atmung. Beim Vorbeugen ausatmen, innehalten und nicht mehr atmen. Beim Aufrichten einatmen. Diese Abfolge heißt Drei-Atmungs-Methode (礼三息 – Reisansoke). Wer diese Atmung beachtet, verbeugt sich richtig, die Haltung stimmt und der Verlauf ist harmonisch und weich.

Foto vom Autor und Fritz Nöpel
Hanshi Fritz Nöpel zusammen mit dem Autor, © Gunnar Zemke

Es gibt drei Stufen der Verbeugung die für unser Karate wichtig sind. Hanshi Fritz Nöpel (1935 – 20XX) erklärte sie mir einmal vereinfacht aber auf ganz ausgezeichnete Art und Weise. Er sprach dabei von „Freundesland“, „fremdes Land“ und „Feindesland“. Im „Freundesland“, also im eigenen oder befreundetem Dojo, kann man ganz ungezwungen und gefahrlos seinem Gegenüber begegnen. Die Verbeugung ist hier am tiefsten, etwa 45° und drückt einerseits Respekt und Dankbarkeit seinem Trainingspartner gegenüber aus, andererseits ist es ein Gruß und ein Versprechen. Frei nach dem Motto:“ Hallo. Danke das ich mit dir zusammen üben darf, ich respektiere Dich und werde dir nicht wehtun“. Der Blick ist auf den Boden, direkt vor einem gerichtet. In diesem Moment bin ich voller Vertrauen, da ich nicht ein mal seine Füße sehen kann, meinem Gegenüber ganz und gar ausgeliefert. Die höflichste Form der Verbeugung.
„Feindesland“ ist das genaue Gegenteil. Man weiß sofort, hier bin ich alles andere als willkommen. Hier will man mir böses und ich muss damit rechnen, dass mit harten und unfairen Mitteln gekämpft wird. Die Verbeugung ist hier also am niedrigsten, etwa 15° und ist lediglich Form. Ein Zeichen, dass man gute Manieren hat und die Etikette beherrscht. Man sieht dabei dem Gegner in die Augen; jederzeit bereit auf alles zu reagieren. Die unhöflichste Form der Verbeugung.
„Fremdes Land“ ist etwas dazwischen. Die goldene Mitte so zu sagen. Man kennt die Menschen hier nicht gut oder begegnet ihnen zum ersten Mal. Vielleicht kann man sie auch einfach gerade nicht gut einschätzen. Die Verbeugung ist hier etwa 30°; so das man gerade noch die Beine seines Gegenüber sehen kann. Im Fall der Fälle kann man also sofort, auf ein plötzliches Zukommen der Person, reagieren. Es ist praktisch eine abgeschwächte Form der ersten Variante, womit man nie etwas falsch machen kann. Immer noch eine höfliche Form der Verbeugung.

 

Ritsu-Rei wird also vor und nach einer Partnerübung, mit der oben genannten Bedeutung, ausgeführt. Da es in vielen Dojo üblich ist während einer Unterrichtseinheit mehrmals den Partner durch zu tauschen, wiederholt sich das Ritual bei jedem neuen Partner. Trifft man allerdings auf eine Person die man schon einmal an gegrüßt hat, so muss man Ritsu-Rei nicht noch einmal ausführen. Gleiches gilt natürlich auch, wenn der Lehrer die Partnerübung unterbricht und sie anschließend weitergeführt wird. Überhaupt wird viel zu oft an und ab gegrüßt meint Fritz Nöpel. Man leide ja schließlich nicht an Demenz, um sich ständig neu zu begrüßen und sich immer wieder das selbe Versprechen zu geben. Weniger Rotation und das längere Üben mit den gleichen Partner an einem Unterrichtstag sei besser und sinnvoller.
In Japan, aber auch in manchen traditionellen Dojo in Deutschland und Europa, hat der Senpai die Aufgabe das Eintreten des Sensei wahrzunehmen. Mit einem lautstarken, dem Dojo angepassten, Ausruf: „Kiotsuke“ (気をつけ – Achtung! Stillgestanden!) wird auf die Anwesenheit des Lehrers hingewiesen. Die
Bedeutung des Kommandos liegt aber, wie immer im Japanischen, viel tiefer. Eine bessere Übersetzung wäre wohl: „Ki“ vereinen oder „Den Geist verbinden“. Durch dieses Kommando soll eine tiefe physische und geistige Verbundenheit unter allen Anwesenden hergestellt werden. Die Mitschüler drehen sich zum Sensei und verneigen sich mit der Bekundung „OSS“. Das schult zusätzlich die Aufmerksamkeit und ist gleichfalls eine Respektbekundung dem Sensei gegenüber.

Es gibt aber noch mindestens zwei Gelegenheiten, wo Ritsu-Rei ausgeführt wird. Vor und besonders nach einer Kata (型 – überlieferte Form, Stil, standardisierter Bewegungsablauf) verbeugen wir uns. Vorher aus Respekt und Dankbarkeit. Man darf nie vergessen, die Kata wurde einmal von einem Großmeister entwickelt und eventuell über Generationen verfeinert. Sie stellt ein ganzes Kampfsystem dar und ist eine Art Lehrbuch; ein Vermächtnis. Je öfter man die Kata macht, desto wahrscheinlicher ist es dabei stolz oder gar arrogant zu werden. Durch die Verbeugung am Ende macht man sich wieder klein und wird wieder zu dem, was man vorher war.

Bild von Karateka mit Schuhen
Negativbeispiel. Ein Dojo mit Schuhen zu betreten ist vollkommen inakzeptabel.

Schließlich verbeugt man sich noch im stehen zum Shomen; beim Betreten und Verlassen des Dojo. Hier führt man natürlich die tiefste Stufe des Rei aus. Entgegen landläufiger Meinung wird dabei eben nicht das Dojo an gegrüßt, sondern eine Art Statement abgegeben. Wir lassen den Alltag mit allen Sorgen, Nöten sowie eventuellen Konflikten hinter uns und werden uns bewusst, jetzt einen besonderen Ort zu betreten; welcher der Weglehre geweiht ist. Gleichzeitig erkennen wir die dort geltenden Regeln samt Hierarchien an und unterwerfen uns diesen bis zum Ende der Übungsstunde. Wir versprechen uns ganz auf die jeweilige Kampfkunst zu konzentrieren und dabei immer unser Bestes zu geben. Beim verlassen des Dojo erfolgt ein ähnlicher, entsprechend umgekehrter, Prozess. Wir lassen den Kämpferischen Teil hinter uns und kehren wieder zurück in den Alltag. Dies bedeutet allerdings nicht, das mit dem Training schon Schluss ist. Meister Gichin Funakoshi (1868-1957) veröffentlichte 1938 seine zwanzig Anleitungen für das Karate. In Zeile acht heißt es:„Hitotsu, dojo nomino karate to omou na“ (一、道場のみの空手と思ふな – Denke nicht, dass Karate nur im Dojo stattfindet.)
Das Verbeugen im Sitzen findet in den meisten Karate Dojo, in leicht abgeänderter Form, jeweils vor Beginn bzw. Ende jedem Unterrichtes statt. Die korrekte Ausführung ist dabei die Selbe wie im stehen. Die Prozedur für das Angrußritual sieht in der Regel folgendermaßen aus:

Der Sensei steht bereit in Richtung Shomen und wartet auf die Kommandos des Senpai. Das Erste lautet:„Seiretsu“ (整列 – Aufstellung / Ausrichtung). Die Schüler positionieren sich nun, wie bereits weiter oben beschrieben, im rechten Winkel vor dem Shomen.
Anschließend kommt das Kommando „Seiza“ (正座 – richtige Sitzhaltung). Alle knien sich ab; mit dem linken Bein zu erst. Der Sensei schaut dabei mit dem Gesicht zu den Schülern. Er ist der einzige, der beim Grüßen dem Shomen den Rücken zuwenden darf. Ist der Sensei aus irgendwelchen Gründen abwesend, hat dort beim Angrüßen niemand etwas zu suchen.
Es folgt das Kommando“ Mokuso“ (黙想 – Meditation / ruhiges Denken). Es ist nichts besonderes zu tun, einfach nur sitzen, auf aufrechte Haltung und tiefe Atmung achten, Gedanken ziehen lassen, ohne diese fest zu halten, oder weiter zu denken. Diese Phase dient der geistigen Vorbereitung auf das Training, man zieht eine Grenze zwischen dem Alltag und der bevorstehenden Übung. Die Meditation endet nach einigen Atemzyklen (Länge und Imagination beschrieb ich in diesem Artikel) durch „Mokuso Yame“.
Nun wird sich drei mal, wieder auf Kommando des Senpai, verbeugt.

1.)
„Shomen ni Rei“ (正面に礼) Rei zum Shomen.
Hier kann jeder individuell entscheiden, was ihm persönlich verehrungswürdig erscheint. Das kann eine Gottheit, eine Idee, eine Person, ein Land, etc. sein. Wichtig ist einfach, dass man demütig etwas Größeres anerkennt. Die Hände werden mit den Fingerspitzen 45° zueinander gedreht auf den Boden gelegt und es erfolgt eine Verneigung, bei der man die Stirn andeutungsweise in das Dreieck neigt. Sollte im Shomen Bereich allerdings wie weiter oben beschrieben ein Shinto-Schrein stehen, heißt es:„Shinzen ni Rei“ (神前に礼) Rei zum Shinzen.

2.)
„Sensei ni Rei“ (先生に礼) Rei zum Sensei. Nun dreht sich der Sensei wieder zu den Schülern um und man verbeugt sich zu einander. Der Rei gilt hier auch in erweiterter Form zu allen Personen, Umständen und guten Geistern die es ermöglicht haben, das der Lehrer hier und jetzt unterrichten kann. Also z.B. dessen Lehrer, welche ihm alles beigebracht haben um es jetzt weiter zu geben. Eventuell auch den Busfahrer, der ihn pünktlich und sicher in das Dojo gefahren hat.

3.)
„O tagai ni Rei“ (御互いに礼) Rei gegenseitig / zueinander. Gemeint sind hier die Schüler. Der Sensei verbeugt sich also nicht. Auch hier ist der Rei auf all Diejenigen erweitert, welche es den Schülern ermöglicht haben jetzt zu trainieren. Sei es der Arbeitgeber der einem früher Feierabend gegeben hat oder die Eltern welche das Training bezahlen.
Nun gibt der Senpai das Kommando: „Kiritsu“ (起立 – aufstehen).
Der Sensei steht als erstes auf; alle Anderen folgen der Reihe nach. Der Unterricht kann beginnen; am Ende wird die selbe Prozedur wiederholt.
Es sei an dieser Stelle erwähnt, dass es noch ein etwas anderes Ritual als das eben beschriebene San-Rei gibt. Dieses findet man eher in Aikido oder Iaido Dojo und nennt sich: „ni rei, ni hakushu, ichi rei“ (二礼, 二拍手, 一礼). Wie der Name schon sagt, wird sich nach „Shomen ni Rei“ erst zwei mal verbeugt, dann zwei mal in die Hände geklatscht und dann noch ein mal verbeugt. Dies ist eine alte shintoistische Form und wird so auch in jedem Shinto – Schrein bei jedem Gebet praktiziert. Danach dreht sich der Lehrer um, blickt in Richtung Schüler und eröffnet das Training mit den Worten: „O-negai-shimasu“ (お願いします- Sein Sie bitte so freundlich). Die Schüler antworten darauf, während der Verbeugung, mit denselben Worten. Gemeint ist hier die bitte um Unterweisung.

Foto von zwei Karatefiguren
Positivbeispiel. Man sollte sich immer auf Augenhöhe begegnen.

Seiza begegnet einem in Japan immer wieder. Es wurde und wird in sehr vielen Situationen oder bei Handlungen ausgeführt. Wenn ein Samurai seppuku beging, so führte er diesen rituellen Selbstmord auch im Seiza durch. Bei der Durchführung der Teezeremonie nehmen alle Beteiligte die Sitzhaltung ein und auch Kalligraphi-Künstler gestalten ihre Werke im Seiza. Beim Iaido, beginnen fast alle Kata aus dieser Stellung.
Seiza ist allerdings keine Wohlfühlstellung, auch nicht für Japaner. Durch ständiges Training kann man sich zwar ein wenig daran gewöhnen, aber irgendwann werden einem die Füße einschlafen oder die Knie wehtun. Zumindest 15 – 25 Minuten sollte man jedoch ertragen können.

Eine weitere wichtige Regel der Dojo Verhaltensetikette ist, dass sich alle Übenden an den Säuberungsaktionen im Dojo beteiligen. Ein solcher Ort kann von niemandem außer von den Übenden selbst gereinigt werden. Dabei wird keine Ausnahme gemacht. Dies ist ein Ausdruck von höflichen Umgangsformen. Er verdeutlicht, dass ein Kampfkunstübender sein Ich besiegen und sich in den Dienst eines Höheren stellen kann. Egal ob er hohe Ämter oder Funktionen außerhalb des Dojo innehat, in seinem Dojo reinigt er zusammen mit allen anderen den Raum. Soji (掃除 – Reinemachen).

Foto vom Reinemachen
Reinemachen, (mit freundlicher Genehmigung von Carlos Bank)

Ein ebenfalls ein sehr schöner Brauch wird in manchen Dojo gepflegt. Bei trauer Anlässen, wie Tot eines Schülers oder Meisters, wird die Gi-Jacke auf Anweisung des Lehrers rechts gefaltet; damit das Schullogo halb verdeckt ist. Dies ist ein symbolischer Akt und Zeichen der Trauer.

Bei näherer Betrachtung erkennt man, dass hinter allen Ritualen ein Sinn steckt, welcher uns zunächst fremd und etwas seltsam erscheint. Dabei sind viele Details sehr wichtig für unsere eigene spirituelle Entwicklung. Erst diese Rituale heben uns vom banalen Kampfsport ab und zeichnen uns als Kampfkünstler aus. Der Weg ist immer die Menschwerdung. Das wichtigste im Karate-Do ist die Charakterschulung.
Gegen Ende noch ein paar Stimmen zu dem Thema Rei:

Dr. Jörg-M. Wolters vom Institut für Budo Pädagogik:

….. „Kampf-Kunst ohne Etikette ist zum Kampf-Sport verkommen, da sie wichtiger geistiger (innerer) Schulungswege beraubt und auf moderne (äußere) Maßstäbe reduziert ist. Während im Sport die Etikette nebensächlich, ja weil unfunktional zur Erlangung des Erfolges sogar hinderlich sind – und z.B. aus der ursprünglichen Kontemplation/ Meditation im Seiza (am Anfang und Ende des Unterrichts) nur noch eine oberflächliche, allenfalls exotische Begrüßungs- Zeremonie übrig geblieben ist – ist Budo ohne diese geistige Übung undenkbar.
…..Etikette müssen als Kata verstanden werden: Eine (scheinbar in erster Linie oder für den Anfänger nur) äußere Form, ein Bewegungs- oder Verhaltens-Gerüst, dessen Sinn, Bedeutung und wahre Ästhetik oder Meisterschaft sich erst durch persönliche Belebung und Füllung mit inneren Inhalten (Interpretationen) offenbart. Jede Kata ist darauf angewiesen, beseelt zu werden – ansonsten bleibt sie starr und ausdrucks- wie leblos“.

Dipl.Sportwiss. Efthimios Karamitsos, Bundestrainer (DKV) :

„Echte philosophische Inhalte, die sich auch in der Alltagsrealität bewährt haben, werden langfristig nicht untergehen, sondern sich gerade in der Herausforderung durch Versportung und Kommerzialisierung behaupten….. Die Karate-Etikette jedoch erweist sich als unverzichtbar. Als wesentliches Element der Gemeinsamkeit aller Karateka kommt ihr gerade im sportlichen Bereich eine fairnesserhaltende, aggressionshemmende und die Menschen miteinander verbindende Wirkung zu.“

Soke Kenei Mabuni, Vors. WSKF, Sohn des Shito-Ryu Gründers Mabuni Kenwa:

…..Man kennt in Japan das Wort shurei aus dem Namen einer historischen Sehenswürdigkeit auf Okinawa, die als nationales Kulturgut anerkannt ist. Es ist das Shurei Mon, die Rekonstruktion eines der Tore der Burg von Shuri, des Sitzes der Könige von Ryukyu. Dieses für die alte Ryukyu-Kultur repräsentative Bauwerk ist auch auf der Rückseite der 2.000 Yen Scheine abgebildet. Auf dem Tor steht die Schrift shurei no kuni. Das bedeutet: Land, das den Ritus bewahrt. Dieser Schriftzug ist ein Symbol für die Menschen von Okinawa und geistiger Orientierungspunkt. Der Geist des shurei wird im Karate, dem Budo, das sich auf Okinawa entwickelt hat, bewahrt und weitergegeben.“…..

 

Auch an dieser Stelle möchte ich den Artikel mit einem Zitat beenden.

Foto von Giei Funakoshi
Giei Funakoshi, gemeinfrei

Zitat:

„Was das Dojo betrifft, es geht nicht um dessen Größe oder Kleinheit. Es geht auch nicht um die Summe der Personen. Der Hauptpunkt wird ein erfüllter Inhalt. Wir werden etwas wundervolles schaffen. Wenn der Inhalt ein anspruchsvolles Training sein wird, erwarten wir freilich keine große Schülerschar anzuziehen.“

Giei Funakoshi (1900 – 1961), 1. Sohn Gichin Funakoshis . Anlässlich des Wiederaufbaus, des Shotokan Dojo – 1957 (später dann auch Vorsitzender des Shotokai).

ki o tsukete kudasai (気をつけて下さい)

2 Gedanken zu “Der Dojo-Knigge (Teil 2)

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