Des Meisters Lieblingsbaum

Manchmal sieht man den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr. Trotzdem hat jeder so seine Vorliebe für eine bestimmte Art von Bäumen. Ich schaue mir z.B. gerne Birken oder Blut-Buchen an. Aber ein großer Karate-Meister hat sogar einen kleinen Text, der ganz besonderen Art, über seinen Lieblingsbaum geschrieben.

寒梅 (kanbai – in der kalten Jahreszeit blühende Pflaume)

„Das Leben des Karate-Do ist schön, wunderbar, sehr bescheiden und hart; sehr hart, manchmal zu hart.

Aber derjenige der Mut und aufrichtiges Vertrauen in das Karate hat und ausdauernd unermüdlich weiter macht, ….. weiter…., der beginnt ab einem bestimmten Zeitpunkt in der Entfernung, ein Licht wahrzunehmen. Wir sollten nicht versuchen, zu verstehen, was es ist.

Das Wichtigste ist zu spüren, das etwas auf mich wartet und sich langsam dem zu nähern. Und dann beginnen Sie zu verstehen, was es ist.

Der Pflaumenbaum ist ein sehr bescheidener Baum und bekommt oft nicht viel Aufmerksamkeit. Aber der Baum ist innen sehr stark. Sehr stark sind auch seine Wurzeln.

Er ist ein Baum der auch in den kalten Wintermonaten seine innere Stärke behält und kämpft, bis das Frühjahr ihn erwartet.

Unter dem Wind, Schnee und Eis verändert sich seine Stärke nicht.
Dann blüht er zeitig im Frühjahr vor den anderen Bäumen, fast ohne viel Mühe.
Seine Blütezeit ist wie das Lächeln, aus dem sich eine schöne Blume ergibt.

Dann fallen die Blütenblätter und er erwartet mit milder, sanfter Hartnäckigkeit die nächste Saison. Wieder, immer wieder; und so geht es ewig weiter.

So ist unser Leben. Wir müssen es leben mit großem Humor, ohne unser Lächeln zu verlieren, mit Güte, ohne Streit mit Anderen. So wandern wir, jeder alleine auf seine Weise, als Menschen diesen Karate Weg; diesen „Way of Life“ (Do). Mit der Kraft und Gelassenheit, des Pflaumenbaumes.“

Hiroshi ShiraiBild von Meister Shiraiaus dem Italienischen übersetzt: Gunnar Zemke (eigene Übersetzung)

 

Der japanischer Pflaumenbaum, auch Chinesischer Pflaumenbaum oder Dreiblütige Pflaume genannt, wächst als sommergrüner Baum und erreicht Wuchshöhen von etwa 9 bis 12 Metern. Ihre Früchte weisen eine gelbe bis rote Farbe auf und sind eher mit unserer heimischen Aprikose zu vergleichen. Die Ume (梅 – Pflaume / Pflaumenblüte) wird in Ost-Asien als Symbol für Lebenskraft und Widersetzen gegen widrige Bedingungen angesehen und tritt in der japanischen Poesie häufig als Frühlingsbote auf. Besonders während der Heian-Periode (平安時代 794 – 1185) wurde Sie, mehr noch als die Kirschblüte, sehr verehrt. Die Pflaumenblütenbetrachtung (梅見 – ume mi) ist aber heutzutage eher eine Alternative; ein Versuch sich von den lärmenden, überfüllten Kirschblütenparteien zu unterscheiden. Viele Tempel und berühmte Landgüter haben einen besonderen Bereich für die Pflaumenblütenbetrachtung. Der Kairaku-En-Park in Mito ist der berühmteste.

In der Ost-Asiatischen Küche findet die Ume ähnlich viel Verwendung wie unsere heimische Aprikose. Für den Umeshu (梅酒), den man bei uns als Pflaumenwein bezeichnet, werden z.B. die noch unreifen, grünen Früchte in klaren Branntwein eingelegt. Zusammen mit viel Zucker wird er zu einer Art Likör und ist sehr süß; dabei aber mild. Unter Umeboshi (梅干) versteht man eingelegte Ume, die gesalzen und mit Shiso-Blättern gewürzt werden. In Japan werden Sie oft als Füllung in Onigiri getan.

Foto von Pflaumenblüten

ki o tsukete kudasai (気をつけて下さいいい)