Sawa kai Nr.1

Sawa kai (茶話会) bedeutet soviel wie Kaffeekränzchen oder auch Teegesellschaft und ist ein neues Format in meinem Blog. Eine Art Kurzinterview. Hier werden in Zukunft Großmeister verschiedener Stilrichtung Fragen rund um das Karate beantworten. Kurz und knackig.

Den Anfang macht Wolfgang Kutsche 6.Dan Shotokan.

Sensei Wolfgang ist ein echter Karatemensch. Seit weit über 30 Jahren betreibt er nun schon diese Kampfkunst und stellt sich dabei in den unterschiedlichsten Bereichen ganz dem Karate zur Verfügung. Ob als Trainer (A-Lizenz), Prüfer (A-Lizenz) oder Stilrichtungsreferent. Der Vater zweier Kinder verdient sein Geld mit dem Management von Kunden eines Fruchtgroßhandels und ist obendrein Karatereisender.

 

Welches ist Deine Lieblings Kata; und warum?

Es ist die Nijushiho. Mal Fließend und leicht, mal wuchtig und brechend wie das Element Wasser. Ich bin gerne an der See und diese Kata ist mein Element des Meeres.

Mit welchen Meistern, aus der Vergangenheit oder Gegenwart, würdest Du gerne trainieren; und warum? (egal ob der Meister bereits verstorben ist oder am anderen Ende der Welt lebt)

Ich bin meinen Meistern Rolf Lindberg, Wolfgang Hagge und Dieter Mansky sehr dankbar für meine stetige Ausbildung im Karate. Zudem hatte ich das Glück mit sehr vielen Großmeistern des Karates in Europa und Japan/Okinawa zu trainieren z.B.

Ochi, Tanaka, Osaka, Kagawa, Kase, Naka, Sakumoto, Handel, Dietl, Brennan, Mc Kay, Donovan, Cattle, Godfrey etc…die Liste ist lang in den 36 Jahren.

Wen ich leider nicht getroffen habe ist H. Kanazawa. All die Jahre habe ich ihn aus der Ferne bewundert und hätte gerne bei ihm trainiert.

Trainierst Du noch andere Systeme / Kampfkünste? (wenn Ja: In wie weit sind diese für Karate hilfreich? Bei Nein: warum nur Karate?)

Das Karate ist so Vielseitig, beinhaltet so viel Aspekte ( Technik-Geistig), dass ich als Breitensportler mit einem Leben gar nicht auskomme, alles zu erforschen. Da bleibt mir eigentlich keine Zeit für eine andere Budokunst. Natürlich schaue ich immer wieder über den Tellerrand, um zu sehen, wie machen andere das. Z.B. Aikido, WT, Tai-Boxen. Etwas mehr habe ich mich mit Kyusho befasst die letzten 10 Jahre unter dem US Großmeister Rick Clark. Dies hat mir das Bewusstsein für Bunkai in unseren Kata erweitert.

Erzähl uns eine interessante Anekdote aus Deinem Karate Leben.

Ohh was soll ich da erzählen….Ende der 80ziger war ich auf einem Sommerlehrgang in Griechenland mit Repp + Hoffmann unsere Nationalkämpfer zur damaligen Zeit.

Trainingsbedingungen waren extrem hart bei 40 Grad in der Sonne auf einer Kuhwiese usw., heute würde man sagen Bootcamp. Am letzten Tag fanden wir uns zur frühen Morgenstunde am Strand ein(ca.100 Karateka). Platzierten uns in Kiba dachi und weckten das kleine Dorf mit zeitweise lauten Kiai. Nach 5000 !! Choki-zuki und 1 Stunde ohne sich zu bewegen, waren die Füße über den Knöchel im Sand eingesunken. Damals war das normal im Kreise der JKA, heutzutage habe ich das nie wieder erlebt.

Worauf legst Du in Deinem Unterricht das meiste Gewicht; was ist Dir wichtig zu vermitteln?

Ich lege viel Wert auf Kihon und Kata. Eine richtige Basis für das Karate ist meiner Meinung das wichtigste, um sich dann im Karate über die Jahre weiter zu entwickeln. Nur Spezialtraining zu machen, damit die Kumite Wettkampferfolge gefördert werden, ist mir zu kurz gedacht. Allerdings gehört Kumite absolut zum Karate und somit zum Sinn und Zweck einer Kampfkunst.

Was ist das Alleinstellungsmerkmal Deines Stiles? (was ist typisch, was gibt es nur in Deinem Stil? – im Vergleich zu den Anderen)

Jeder Stil unterscheidet sich in erster Linie in den Kata. Hier ist am deutlichsten zu sehen, worauf Wert gelegt wird. Shotokan ist ein Stil der von großen, kräftigen Angriffs- und Verteidigungtechniken geprägt ist. Unser Symbol des Tigers im Shotokan ist absolut richtig getroffen (Dynamik-Power-Geschmeidigkeit).

Du warst jetzt schon zwei mal in Japan auf „Karate-Urlaub“. Einmal sogar auf Okinawa. Berichte uns doch kurz etwas erzählenswerte darüber.

Japan ist in 2 Sätzen nicht zu erklären, diese Kultur ist eine ganz andere, aber Teilweise sehr sehr schön. Im Honbu Dojo der JKA konnte ich alle meine Idole persönlich antreffen, dies war mein größtes Erlebnis im Karate. Auf Okinawa wurde mir bewusst, wo unser Karate herkommt und wo die Unterschiede zu finden sind, die das Karate dort so effizient macht. Die Landschaften, Sehenswürdigkeiten sind grandios und Tokio ist sensationell. Die Japaner haben für uns merkwürdige Eigenheiten und Lebensgewohnheiten, die man gesehen haben muss. Eins fand ich aber sehr schade, dass ich leider keine Gespräche mit fast allen Japanern führen konnte, da ich kein Japanisch und Sie nicht Englisch konnten. Zum Glück war Schlatt mit seinen Sprachkenntnissen dabei. Trotzdem fliege ich wieder hin und kann es nur jedem empfehlen.

Foto von Sensei Wolfgang
Sensei Wolfgang 2016, wärend seiner Karate-Reise; zur Verfügung gestellt von © W.Kutsche