Tempus (Teil 2) Zeitstrahl von 1930 – 1940

Hier nun der zweite Teil, mit einem weiterem Jahrzehnt des ultimative Zeitstrahls.
Den 30er Jahren…

1931

Im September führt Japan einen großangelegten Überfall auf die Mandschurei aus, um die rohstoffreiche Region auszubeuten. Die Gefechte dauern bis Anfang 1932 an.
Zur Verwaltung der Mandschurei wird der Marionettenstaat Mandschukuo eingerichtet. An dessen Spitze Pu Yi (1906-1967) gesetzt wird; der ehemalige (letzte) Kaiser von China.

Im selben Jahr bereitet sich Charles Lindbergh (1902-1974) auf seinen Vermessungsflug in den Orient vor. Ziel dieses Fluges ist es, den „Great Circle Course“, die schnellste Route von New York nach Tokio, für kommerzielle Flugrouten zu erkunden. Als Kopilotin und Navigatorin ist niemand anderes als seine Frau Anne (1906-2001) mit an Bord.Marga von Etzdorf nach Flug Berlin-Tokio 1931

Marga von Etzdorf (1907-1933) startet am 18. August 1931, als erste Frau, einen Alleinflug von Deutschland nach Japan. Nahe der mongolischen Grenze wunderte sie sich über die anwesende Presse, die jedoch nicht auf sie, sondern auf die britische Langstreckenpilotin Amy Johnson (1903-1941) wartete, die ebenfalls nach Tokio unterwegs ist. Am 29. August erreicht Marga nach nur 12 Tagen die japanische Hauptstadt.

Egami Shigeru (1912-1981) beginnt mit dem Karateunterricht bei Gichin Funakoshi. Er wird mit der Zeit zu einem Meisterschüler heranwachsen und ein Freund von Gichins drittem Sohn werden. Nach dem Tod der Funakoshis wird er dessen Stil bewaren und weiter entwickeln. Sein Buch „The Way of Karate : Beyond Technique“ erscheint erst 1976.

1932

Charlie Chaplin (1889-1977) begibt sich am 14. Mai auf Japan-Reise. Die Japaner, die den Anschluss an den Tonfilm verschlafen haben, bewundern ihn als großen Pantomimen. Sogar Tsuyoshi Inukai, der Premierminister, lädt ihn zu einem Abendessen in seine Residenz ein. Der Empfang für Chaplin wird jedoch im letzten Moment verschoben, da der Sohn des Premierministers Chaplin für ein Sumo-Kampf am selben Abend begeistern kann.
Am gleichen Tag entscheiden sich Kadetten der kaiserlichen Marine und Jungoffiziere des Heeres dazu, politisch wichtige Gebäude in Tokio anzugreifen und zu besetzen. Hauptziel ist dabei auch die Ermordung des Premierministers Inukai und dem Lordsiegelbewahrer Makino Nobuaki. Chaplin soll ebenfalls sterben, da sie so einen Krieg mit Amerika provozieren wollen.
Die jungen Offiziere haben anfänglich tatsächlich Erfolg; werden allerdings genau so schnell wieder zurückgedrängt und verhaftet.
Allein das Attentat auf den Premierminister glückt. Chaplin entkommt einzig wegen seiner Begeisterung für den japanischen Nationalsport dem sicheren Tod.
Chaplin fand es viele Jahre später witzig, dass die Männer nicht wussten, dass er Brite ist. Er schrieb:Charlie beim Tee trinken in Tokyo 1932Ich kann mir direkt vorstellen wie die Attentäter ihren Plan ausführen und dann feststellen, dass ich gar kein Amerikaner, sondern ein Engländer bin. So sorry !“.

Eine Vielzahl koreanischer Frauen und Mädchen werden zwischen 1932 und 1945 aus ihrem Heimatland entführt und in japanische Soldatenbordelle verschleppt. 30 bis 40 Mal am Tag werden die Frauen und Mädchen vergewaltigt. Von den insgesamt etwa 200.000 „Trostfrauen“ kommen 80 Prozent aus Korea; der Rest aus China.
Am Tag musste ich die Soldaten bedienen und bei Nacht die Offiziere“ erzählt ein Mädchen nach dem Krieg in einem Interview.
In den letzten Kriegswochen wurden Tausende der Trostfrauen ermordet oder begingen aus Scham Soiziet.

Gogen Yamaguchi (1909-1989) wird Schüler von Miyagi, nachdem er zuvor neben Judo und Kendo auch schon etwas Karate gelernt hat. Zwischen dem Jurastudenten und dem Meister aus Okinawa entwickelt sich ein guter Kontakt. Yamaguchi wird später das Goju-Ryu in Japan vertreten und weiter ausbauen.

Der Kaiser stellt Generalleutnant Arai, bei einem der vielen Lagebesprechungen, die Frage:“Mit wie vielen Menschen kann ein einzelner Mensch gleichzeitig kämpfen?“. Der General stellt Funakoshi bei nächster Gelegenheit die selbe Frage, um dem Kaiser eine adäquate Auskunft zu geben. Funakoshis Antwort:“ Die Kata Kushanku aus unserem Karate enthält gewöhnlich die Fertigkeiten, mit acht Personen zu kämpfen“.

Mittlerweile ist die Kampfkunst aus Okinawa soweit akzeptiert, das sogar an der Mädchenfachschule für Leibeserziehung Karate Anfängerkurse unterrichtet werden. Funakoshi ist so begeistert, dass er anfängt Sonder-Kata für Damen zu kreieren.

Nakayama Masatoshi (1913-1987) nimmt das Karatetraining bei Funakoshi an der Takudai-Universität auf; an der er gerade die chinesische Sprache studiert. Seine Bestimmung wird es sein, das Karate in die Welt zu tragen. Dies gelingt ihm mit der JKA (wiki link) wie kein Zweiter.

1933

Marga von Etzdorf begibt sich am 27. Mai auf einen neuen Rekordflug. Dieses mal soll es es alleine von Berlin nach nach Australien gehen. Aber bereits am nächsten Tag wird ihr Flugzeug bei der Landung auf einen Flugplatz in der Nähe von Aleppo (Syrien) beschädigt.
Nach Erledigung der Formalitäten soll sie die Flughafenpolizei um einen Raum gebeten haben, wo sie sich eine halbe Stunde hinlegen könne. Kaum ist sie allein, läd Marga von Etzdorf die mitgeführte Maschinenpistole, vom Typ Schmeisser 28/II, und setzt ihrem Leben mit zwei gezielten Schüssen in die Schläfe ein Ende. Ihr Körper wird später per Schiff nach Europa zurückgebracht.
Nach feierlicher Aufbahrung in Hamburg und einem Trauergottesdienst in einer evangelischen Kapelle in Berliner, wird sie unter großer Anteilnahme auf dem dortigen Invalidenfriedhof zur letzten Ruhe gebettet. Ihr Grabstein trägt die von ihr selbst gewählte Aufschrift: „Der Flug ist das Leben wert“.
Bemerkenswert bleibt, dass Marga in den letzten Minuten ihres Lebens sehr entschlossen und konzentriert handelt und sich nur 23 Minuten nach ihrer Bruchlandung erschießt. Dies tut sie, ohne eine Erklärung oder einen Abschiedsbrief zu verfassen, der Aufschluss über die Gründe ihres Selbstmordes liefert. Daher kann über die wahren Gründe nur gemutmaßt werden. Ein heikler Spionageauftrag, des gerade von Hermann Göring neugegründeten „Forschungsamt der Luftwaffe“, bleibt allerdings am wahrscheinlichsten.

Die DNBK eröffnet eine Zweigstelle auf Okinawa.

Das Eingangstor zur Burg Shuri auf Okinawa (Shurei no Mon) wird zum Nationalschatz (wiki link) erklärt.

Goju-Ryu wird formell in die Listen der DNBK eingetragen.

1934

Shimoda Tekeshi (1901-1934) stirbt ganz überraschend an einer Lungenentzündung. Funakoshis talentiertester Schüler war auch ein Experte im Kendo und Ninjutsu. Er übernahm ab 1930 die Tätigkeit als Lehrer für dessen Schüler und leitete verschiedene Vorführungen in ganz Japan. Shimoda war nicht nur des Meisters talentiertester Schüler, sondern auch als dessen Nachfolger auserwählt.
Seine Aufgaben übernimmt ab jetzt der dritte Sohn Funakoshis; Yoshitaka (1906-1945). Dieser war seinem Vater bereits 1923 nach Tokyo gefolgt. Sein Karate ist grundlegend anders. Ihm kommt es in dieser Kriegszeit weder auf Charakterschulung, noch auf Leibeserziehung an. Sein Bestreben ist einzig und allein die Wirkung im Ziel. Totale Effektivität. Mit akribischer Genauigkeit und minutiöser Ausdauer eines waren Wissenschaftlers, erforscht Yoshitaka jede Technik erneut auf Sinn und Ausführung. Dabei kommt ihm seine Arbeit als Röntgentechniker zugute. An mehr als zweihundert Leichen nimmt er Untersuchungen vor, indem er ihnen vorher mit unterschiedlichen Karatetechniken, aus verschiedenen Winkel, die Knochen bricht. Hinterher kann er die Ergebnisse auf den Röntgenbildern untersuchen und entsprechend Schlüsse auf mögliche Modifikationen ziehen.
So verändert Yoshitaka allmählich nicht nur Stand, Ausführung und Entfernung, sondern muss dementsprechend auch die Kata anpassen.
Ganz neue Techniken werden von ihm entwickelt. So z.B. der Mawashi-Geri und der Mikazuki-Geri.


Otsuka gründet die Vorläuferorganisation des Wadokaiverbandes, die „Dai Nippon Karate Shinko Karubu“. Damit kann 1934 als das Gründungsjahr des Wado-Ryu-Karate angesehen werden.Otsuka in den 30er Jahren
Die Rivalität zwischen Yoshitaka und Otsuka wird immer intensiver. Da Funakoshis Sohn der wesentlich heißblütigere von beiden ist, versucht Otsuka ihn so gut es geht aus dem Weg zu gehen. Das ändert natürlich nichts an der Tatsache, das diesem Yoshitakas aggressiver und geradezu kriegerischer Geist stark missfällt.

Miyagi macht Karate in Hawaii bekannt. Er unterrichtet dort fast ein ganzes Jahr lang.

Mabuni bezeichnet seine Karate Auffassung nun als Shito-Ryu. Er vereinigt damit die Lehren seiner beiden Meister, Higashionna und Itosu und bringt dieses in dem Namen zum Ausdruck. („Shito“ enthält Schriftzeichen aus den Namen beider Meister).
Im selben Jahr veröffentlicht er sein Werk „Goshin Jutsu Karate Kempo“.

1935

Mehrere Großfunkstellen und dazugehörige Empfangsstationen mit riesigen Sendeantennen ermöglichten am 12. März das erste Ferngespräch zwischen Berlin und Tokyo über Kurzwellen-Funksignale. Der Aufwand ist fürwahr gewaltig.

Funakoshi ändert die okinawanischen Namen der von ihm unterrichteten Kata.
Die meisten werden noch heute in der Shotokan-Organisation so genannt.
Pro japanisch, wie seine Lehrer Asato und Itoso, tauscht er sogar die Kanji seines Famielennamens aus, um sich den japanischen Sprachempfinden anzupassen.
Aus Tominakoshi Gichin (富名腰義珍) wird erst jetzt Funakoshi Gichin (船越義珍). Die neuen Kanji spielen, mit ihrer Bedeutung, auf seinen Wohnwechsel von Okinawa zum Festland an. Auch wenn Japan selbst aus vielen Inseln besteht bezeichnen Bewohner aus entfernten Präfekturen, wenn sie zur Hauptinsel reisen, diese als Festland. Funa 船 bedeutet „Boot“ und Koshi 越 bedeutet so viel wie „hinübergehen“ oder auch „den Wohnsitz wechseln“.

Die Rivalität der beiden Platzhirsche Yoshitaka und Otsuka verstärken sich immer weiter und enden schließlich mit einem Zerwürfnis. Neben Machtgehabe und unterschiedlichen Auffassungen in Sachen Lehrmethode spielen mit Sicherheit auch die Leitwerte des Karates selbst eine Rolle; von der Yoshitaka immer weiter abweicht.
Es ist auch möglich, dass Unmut und Verlegenheit über eine Geldfrage zur Trennung beigetragen haben. Bis zu seiner Kündigung bei der Bank hatte Otsuka 1000 Yen für seinen Ruhestand gespart. Er steuerte 200 Yen (heute ca.3.300 €) für einen Fonds bei, den er eingerichtet hatte, um ein permanentes Dojo für Funakoshi Gichin aufzubauen. Andere Unterstützer von Funakoshi trugen ebenfalls dazu bei die Summe auf etwa 700 Yen zu bringen.
In der Zwischenzeit hatte Funakoshis ältester Sohn Giei angeblich Spielschulden angehäuft und Otsuka unter Druck gesetzt, ihm einen Teil des Geldes aus dem Fonds zu leihen, um eben diese Schulden zu begleichen. Otsuka gib dem Drängen schließlich nach und beruft ein Treffen der anderen älteren Studenten ein, um das Darlehen an Giei zu genehmigen.
Aus dem Gefühl der Loyalität gegenüber ihren alten Sensei wird beschlossen, das Geld auszuleihen, aber leider wird Giei das Geld nie zurückzahlen. Dann, um eine ohnehin schon heikle und peinliche Situation zu verschlimmern, behauptet Giei, dass Otsuka das Geld für sich behalten hat.
Wie auch immer. Am Ende wird es Yoshitaka sein, der Otsuka aus der Shotokan-Organisation verbannt.
Mitsusaka Harada (1928- heute) bestätigt viele Jahre später, dass es Yoshitaka war der Otsuka aus der Gruppe ausgeschlossen hat. Offensichtlich geschah es aber aus mehreren Gründen.


„Karate-Do Kyohan“ (Die Lehrmethode des Karate Do) Funakoshis drittes Buch erscheint. Jedes der neuen Fotos zeigen wieder Gichin Funakoshi. Neu hinzugekommen sind nun Beschreibungen zur Selbstverteidigung gegen Schwert, Messer, und Stock auch aus einer sitzenden Position. Die mit Otsuka entwickelten Konzepte.
Des weiteren werden nun die Forschungsergebnisse der bereits im Jahre 1932 angefangenen Selbstverteidigungsmethoden für Frauen vorgestellt. Unter der Überschrift:“Die Kunst des Selbstschutzes für Mädchen“ in Kapitel fünf, werden Konzepte gegen Griffe von vorn, von der Seite, von Hinten und von zwei Personen gezeigt.

Im Mai wird Miygi der Titel Kyoshi zugesprochen. Er wird zum Leiter der DNBK Zweigstelle auf Okinawa ernannt.Yamaguchi unternimmt Mitte des Jahres eine Studienreise nach Okinawa, um dort noch tiefer in das Karate seines Lehrers Miyagi einzutauchen. Er verbleibt dort für fast zwei volle Jahre, in dem ihm sein Meister die meiste Zeit über begleitet.

1936

Das Deutsche Reich und Japan unterzeichnen den Antikominternpakt; ein Abkommen zur Bekämpfung der Komintern (Kommunistische Internationale) und zur Absicherung der deutschen und japanischen Politik gegenüber der Sowjetunion.

Im Oktober findet auf Okinawa eine Versammlung von renommierten Karate-Lehrern statt. Ausgerichtet wird es vom Ryu Kyu Shinposha (Ryu Kyu Zeitungsverlag) in der „Showa-Kaikan-Halle“.Treffen der Meister
Es wird als „Historisches Treffen der Meister“ in die Geschichte eingehen.
Die Teilnehmer sind:
Chomo Hanashiro (1869-1945, Shorin-Ryu), Kyan Chotoku (1870-1945, Shorin-Ryu),
Choki Motobu (1871-1944, Motobu-Ryu), Chojun Miyagi (1888-1953, Goju-Ryu),
Juhatsu Kyoda (1887-1968,Toon-Ryu), Choshin Chibana (1885-1969,Shorin-Ryu),
Shimpan Gusukuma (1890-1954,Shorin-Ryu) und Genwa Nakasone (1895-1978, Shito-Ryu).
Namenhafte Gäste aus Militär, Politik und Presse sind ebenfalls anwesend. Verschiedenste Dinge werden besprochen, die den weiteren Verlauf des Karate betreffen werden.
Top five auf der Tagesordnung sind die Themen:

  • Ein einheitlicher Name für die Kampfkunst aus Okinawa
  • Ein einheitlicher Lehrplan; mit identischer Übungskleidung
  • Standardisierung der Kata. Anzahl der Techniken und deren japanischen Namen
  • Vereinheitlichung der Fachausdrücke für jede Technik
  • Vereinigung aller Stile unter einem Dachverband

Als Ergebnis dieses Treffens wird tatsächlich fortan der Name Karate (空手) verwendet. Man einigt sich auch weitestgehend auf standatisierte Begriffe für die einzelnen Techniken. Auch Lehrpläne, Übungskleidung und Rangsystem werden vereinheitlicht.
Verschiedene Bücher werden verlegt, worin die neuen Begriffe erklärt und aufgezeigt werden.

Miyagi unternimmt eine weitere Studienreise nach China.

Yabu Kentsu wird Anfang des Jahres gebeten, dem Rat der angesehenen Karate-Lehrer beizutreten. Er unterrichtet im gleichen Jahr Karate auf Hawaii.

1937

Das Kaiserreich startet eine großangelegte Invasion auf China. Später wird diese als „Zweiter Japanisch-Chinesischen Krieg“ in die Geschichtsbücher eingehen.
Details diesbezüglich sind zu grausam und bestialisch, um hier nur eines nennen zu können. Man möge hierzu das Netz mit dem Stichwort „Massaker von Nanking“ selber bemühen.
In den Tokioter Kriegsverbrecherprozessen von 1946 bis 1948 wird der Internationale Militärgerichtshof zu dem Schluss kommen, das allein in den sechs Wochen nach dem japanischen Einmarsch rund 200.000 Zivilisten und Kriegsgefangene ums Leben kamen. Rund 20.000 Frauen werden in der kurzen Zeit vergewaltigt.

Yoshitaka unternimmt im Juli zusammen mit elf Mitgliedern der Takudai-Universität eine Expedition nach Korea. Eine Karate-Vorführung in Seoul ist auch geplant.

Yamaguchi wird von Miyagi zum Oberhaupt des Goju-Ryu in Japan ernannt.

Nakayama nimmt die Gelegenheit war, sein Wissen in den Dienst des Vaterlandes zu stellen. Er meldet sich freiwillig in die gerade eroberten chinesische Hauptstadt, die jetzt Peking heißt, das gelernte praktisch anzuwenden und zu vertiefen. Fast fünf volle Jahre übersetzt und dolmetscht er für das Militär und höchstwahrscheinlich auch für den Geheimdienst. Im Jahre 1942 wird er dann nach Xinjing (zu deutsch: „Neue Hauptstadt“; heute Changchun) versetzt, wo er die gleichen Aufgaben wahrnehmen wird.
Gegen Ende des Krieges kann er sich mit Teilen der verbliebenen Einheiten absetzen und heil nach Tokio zurückkehren. Er wäre ansonsten mit Sicherheit von einer der sowjetischen Einheiten massakriert worden. Viele japanische Siedler begehen allerdings noch vor Ort Selbstmord, bevor die Sowjets ihre Gebiete erobern. Mütter werden von der japanischen Armee gezwungen, ihre Kinder zu ermorden, bevor sie sich selbst töten.
Das Nakayama während des Krieges in China Zeit für etwas anderes als die ihm befohlenen Aufgaben hatte, ist so gut wie ausgeschlossen. Das Studium chineschischer Kampfkünste mit Sicherheit ein Märchen. Zu jener Zeit wäre jeder chinesischer Kampfkunstmeister lieber gestorben, als einem Japaner auch nur eine Technik zu zeigen.

1938

Der Krieg gegen China dauert an und verschlingt Unmengen an Mensch und Material.
Das Kaiserreich verstärkt seine Anstrengungen, den immer teurer werdenden Krieg für sich zu gewinnen. Mehrere japanische Armeeverbände forschen unter großem Aufwand an Massenvernichtungswaffen und setzen diese in China bei zahlreichen Gelegenheiten ein. Es handelt sich hierbei um chemische und biologische Waffen, die sowohl gegen feindliche Truppen als auch gezielt zur Massentötung von Zivilisten eingesetzt werden.
Nach Erkenntnissen der Historiker Prof. Yoshiaki Yoshimi und Seiya Matsuno erhielt General Yasuji Okamura (1884-1966) von Kaiser Hirohito persönlich die Erlaubnis, Massenvernichtungswaffen in den Gefechten einzusetzen.

Im März wird in Tokyo mit dem Bau eines Dojo begonnen. Vorgeschlagen wird der Name Shotokan. Auf dem Vorhof sind, entlang des Weges zum Eingang, eine Reihe von Makiwara geplant. Links neben dem Dojo ist ein Wohnhaus vorgesehen. In ihm wird das neue Oberhaupt des Stiles mit seiner Familie wohnen. Yoshitaka.
Sein Vater Gichin bekommt als Dojoleiter einen seperaten Raum für sich zum leben.
Es wird einen direkten Durchgang von den Wohnräumen in die 100 m² große Übungshalle geben.
Das Dojo selber weist bei Fertigstellung im Shomen Bereich drei große Hängerollen auf. Sie sind den Shinto-Gottheiten Kashima, Katori und Amaterasu gewidmet.
Ohne an dieser Stelle in die komplizierte Welt der japanischen Religion einzutauchen kann man sagen, das es sich hier um die wichtigsten Kami handelt. Sie alle stehen eng im Zusammenhang mit dem Kaiserhaus und haben einen Bezug zur Heian-Zeit. Gesäumt werden die drei Schriftrollen von zwei grob bearbeiteten Holzsäulen. An der linken ist das Motto:“Die Literatur kultivieren und die Kampfkunst erwecken“ angebracht. An der rechten der Leitspruch: „Der unbewaffnete Mensch reist mit der Faust“.
Zur Ausstattung des Shotokan gehörte, neben den üblichen Waffen und Übungsgeräten wie Bo, Sai und Sashi, auch ein großer Boxsack.

Jigoro Kano stirbt auf einem Schiff der NYK-Linie an einer Lungenentzündung, als er von einem Treffen des Internationalen Olympischen Komitees in Kairo nach Hause fahren wollte. Als der Sarg in Yokohama von Bord geht ist er mit der Olypischen Flagge bedeckt.

Yamaguchi folgt den Aufruf des Generals Ishiwara, der junge Akademiker für die neu eroberten Gebiete in China braucht. Der frisch gebackene Jurist und Karatemeister meldet sich freiwillig zum Dienst in die Mandschurei, um bei der Entwicklung des Landes zu helfen.
Es wird berichtet, das er in chinesische Gefangenschaft geriet, dort gefoltert wurde und gerade so viel Nahrung bekam, dass er nicht verhungern musste.
Angeblich soll er dort auch gegen einen Tiger gekämpft haben, den er durch sein zuvor erlerntes Karate besiegen konnte. Die Wärter sollen danach so beeindruckt gewesen sein, dass sie ihn aus der Gefangenschaft entließen.
1945 gelingt es ihm dann nicht wie Nakayama sich mit der restlichen Armee rechtzeitig abzusetzen. Yamaguchi gerät erneut in Gefangenschaft. Dieses Mal in sowjetische; die bis 1947 dauern soll.

Motobu geht zurück nach Okinawa. Er wird dort bis zu seinem Tod leben und weiterhin Karate unterrichten.

Das Wado-Karate wird als selbstständige Stilrichtung in die DNBK eingetragen.
Mit der Eintragung des Wado Ryu werden auch 36 Kumite Kata sowie 16 Kata registriert, die Otsuka nach seinen Idealen angepasst hat.
Während in anderen Stilen der Begriff Kata 型 mit einem Kanji geschrieben wird, das vorwiegend für etwas fest vorgegebenes Unveränderliches steht, entscheidet Otsuka sich für die Verwendung des Kanji 形.
Hier steht das Kanji für etwas lebendiges, wandelbares. Also etwas was sich der jeweiligen Situation anpassen kann.
Noch im selben Jahr wird ihm der Titel eines Renshi zugesprochen.

1939

Im Januar wird endlich das neuerrichtete Shotokan, Funakoshis erstes eigenes Dojo, eingeweiht. Zu den Ehrengästen zählen ein prominenter Abgeordneter des Oberhauses sowie der Abt des Engakuji Tempels.Eröffnung des Shotokan
Anlässlich der Einweihung gibt es ein ausgefallenes Programm mit mehreren Karatedemonstrationen. Vorgeführt wird:

  • greifende Hände (Torite)
  • freies Kumite (Jiyu-Kumite)
  • Auffangen des echten Säbels (Shinken-Dori)
  • Kunst der Sai (Sai-Jutsu)
  • Kunst des Stocks (Bo-Jutsu)
  • Bruchtests (Tameshiwari)
  • Kata-Erklärungen und Bunkai

Shito-Ryu wird offiziell im Dai Nippon Butokukai registriert.

Sowohl Gichin, als auch Yoshitaka Funakoshi erhalten von der DNBK den Titel Renshi verliehen.

1940

Im September wird der Drei-Mächte-Pakt unterzeichnet. Er garantiert gegenseitige wirtschaftliche, politische und militärische Unterstützung für den Kriegsfall mit einer Gültigkeit von vorerst zehn Jahren. Er wird später auch als Berlin, Rom, Tokio – Achse in die Geschichtsbücher eingehen.

(Dirk Ludwig, Werner Lind, Henning Wittwer, Jigoro Kano, Heiko Bittmann, Addy Melzer; Gichin Funakoshi; siehe Verzeichnis Bibliografie)


ki o tsukete kudasai (気をつけて下さい)